Der Nerv, der wandert
Der Nerv, der wandert

Der Nerv, der wandert

They call it the wanderer, yeah, the wanderer – he roams |:around around: | around …

Kennt Ihr den Song „the Wanderer“ ? Bestimmt. Kennt Ihr auch den Sänger des Original-Songs ? Eher nicht, oder ? Dion heißt er. Ich wusste es nicht. Hier ist der Song übrigens:

Und ähnlich verhält es sich mit Eurem Wohlbefinden und einem Nerv, über den ich heute erzähle. Natürlich kennt Ihr Euch, wenn Ihr Euch wohl fühlt. Ihr wisst, was Euch gut tut und wann Ihr Euch wohl fühlt. Klar. Um mit dem obigen Song zu texten: „happy as a clown“ – glücklich und zufrieden. Aber wisst Ihr auch, welcher Nerv im Körper für unseren Entspannungs-Zustand verantwortlich ist ?

Kennt Ihr den Nerv, der Euch „happy as a clown“ macht ?

Wir möchten uns wohl und behaglich fühlen

Wir kennen den Song „the Wanderer“. Nicht aber den Sänger. Wir kennen unsere Bedürfnisse, die wir haben, um entspannt und zufrieden zu sein. Nicht aber den Nerv, der dafür zuständig ist und dafür sorgt, dass wir dies auch sind. Ja, ein Nerv zeichnet dafür zuständig. Unter anderem, denn in unserem Körper arbeitet im Idealfall jedes Organ, jeder Muskel, jede Faszienstruktur mit der Innervierung zusammen wie ein riesengroßes Rädchenwerk. Also stelle ich Euch diesen Nerv jetzt vor. Es ist – tadaa – der Wanderer !

Wie bitte ? Ich habe einen Wandernerv im Körper ?!

Keine Sorge. Wir haben keinen wandernden Nerv, der mal da, mal dort auftaucht. Doch der Nerv, den ich Euch heute vorstelle, heißt sogar im lateinischen so: nervus vagus. Der Vagus-Nerv. Wie ein Vagabund zieht er vom Hirnstamm durch den Körper und reicht in viele Organe. Ursprünglich ist er so genannt worden, weil die Anatomen erkannt haben, dass er in viele Körperbereiche herumzieht, genauso wie ein Vagabund. Heute wissen wir noch viel mehr über diesen interessanten Nerv. Er wird auch Ruhe-Nerv genannt.

Wo der Vagus-Nerv bei uns herumzieht

Der 10. Hirn-Nerv ist ein paarig verlaufender Nervenstrang, der vom Hirnstamm in der Mitte des Gehirnes ausgeht und den ganzen Körper durchzieht.

Er zieht zu einem großen Teil zusammen mit der großen Halsschlagader, der arteria carotis und der großen Halsvene, der vena jugularis am Hals vorbei und an der Speiseröhre entlang in Richtung des Magens. Viele Abzweigungen ziehen in den Darm, auch in den Dickdarm, der zu zwei Drittel vom Vagusnerv versorgt wird. Achtung, jetzt wird es spannend: denn 80 % des Informations-Flusses laufen vom Darm wieder in Richtung des Gehirnes ! Die Info-Träger aus dem Darm fühlen sich dabei besonders wohl in den Bereichen, die für Emotionen, Lernen und Motivation zuständig sind. Die Zielbereiche der „Darm-Datenautobahn“ sind das limbische System mit dem Hippocampus und der Amygdala. Das ist das Zentrum unserer Gefühlswelt.

Was bedeutet es für unser Wohlbefinden, dass 80 % des Vagus-Info-Flows vom Darm in das Gehirn laufen ?

Lasst uns mal überlegen. Wir haben also eine Vagusnerv-Darm-Datenautobahn, die ständig zwischen Gehirn und Bauch hin und her funkt. Dass der Vagus-Nerv für unsere Entspannung sorgt, wissen wir nun. Was aber, wenn er gerade nicht entspannt ist ? (Wie es dazu kommt, das erfahren wir uns später) Das Gehirn funkt in den Darm: „Hey, Verdauungsorgane, ich bin gestresst. Mich nervt einfach alles, dass Ihr es nur wisst !“ Das Verdauungssystem reagiert auf diese negative Info je nach Typ mehr oder weniger nervös: „Oh, unser Emotions-Guru. Was hat er denn wieder ? Ich ziehe mich mal lieber zusammen, um mich zu schützen !“ Gedacht, getan. Schon haben wir eine Verdauungsstörung. Gut möglich, dass wir mit unserem Verstand dann überlegen: „Was habe ich denn heute gegessen, da der Bauch so zwickt ?“ Dass er aber nur so zwickt, weil wir gestresst sind, und das Essen selbst zweitrangig ist, daran denken wir selten. Stress ist der Hauptfaktor, wenn der Vagus-Nerv an einer Stelle erstarrt.

Nicht gut drauf – liegt´s vielleicht am Bauch ?!

Das Bauchmassieren mit einer warmen Hand, oder eine Wärmflasche aufzulegen, tut schon Kindern ganz viel Gutes: denn der Elternteil legt einen Stopp ein. Er muss sich jetzt um das Kind kümmern. Alles andere ist unwichtig. Das freut den Vagus-Nerv. Und natürlich das Kind, denn der Vagus-Nerv kann arbeiten, und das ist für Bauch und Seele gesund.

Wie können wir den Vagus-Nerv unterstützen ?

Es gibt so viele Wege, den Vagus-Nerv zu stimulieren, zu lösen, wo er wegen wegen Stress aus vielerlei Themen erstarrt ist, dass dies diesen kleinen Blog sprengen würde. In meiner Arbeit fließen viele Arten mit ein, diesen zu stimulieren. Hier findet Ihr Tipps zur Entspannung des Vagus-Nervs im Gesicht.

Tipps für Entspannung im Gesicht

Keiner will gestresst ausschauen, oder ? Also habe ich für Euch ein paar Übungen zusammengetragen, mit denen Ihr Eure Mimik ganz schnell entspannt. In no time. So geht´s:

Vagus-Nerv-Übung 1:

FASCIAL RELEASE HEAD

Wir legen alle unsere Fingerspitzen auf den Kopf. Üben sanften Druck auf die Kopfhaut aus. Jetzt verschieben wir die Fingerspitzen auf der Kopfhaut nur für ein paar Millimeter und warten.... warten... warten.. und lassen die Fingerspitzen wieder weiterwandern. Diese feine Massagetechnik richtet sich an die oberste Faszienregion des Körpers: die Kopf-Faszie, auch galea aponeurotica genannt. Je "verschieblicher" die Kopfhaut hier ist, desto gelöster wirkt auch Dein Gesichtsausdruck. Je fester die Kopfhaut ist, desto wahrscheinlicher sind Kopfschmerzen.

Vagus-Nerv-Übung 2:

YOU GOT NERVES ! DU HAST NERVEN !

Diese Übung ist perfekt, wenn Du ein Gefühl von Sicherheit, von Kontrolle brauchst

Dazu verschränken wir die Finger und legen die Handflächen an den Hinterkopf-Nacken-Übergang. 
Wenn die Nerven nerven – massieren wir den Stress einfach weg
Ellenbögen nach außen drehen. Aaaah. Wir haben unsere Hände genau auf das Zentrum aller Hirn-Nerven gelegt. Wir haben unseren Nervenzustand jetzt in der Hand. Aber jetzt geht´s erst richtig los, meine Lieben. Ja. Jetzt schielen wir so weit nach rechts, wie es möglich ist. Hierbleiben und auf eine Reaktion des Körpers warten. Vielleicht müsst Ihr gähnen… oder atmet plötzlich gelöster… ja, spürt Ihr es ? Aaaah. Die Augenmuskeln sind nämlich die direkten Nachbarn der Nerven, die wir gerade halten. Und diese Übung führt dazu, dass unserem Gehirn Entspannung signalisiert wird, und das Gehirn reagiert sofort. Spürt Ihr es ?
Nun schielt so weit wie möglich nach links… 30-60 Sekunden….Wird Euch schwindlig ? Auch das ist eine normale Reaktion… Wir kommen aus dem Kampf-oder-Flucht – Modus, der bei Stress aktiviert wird und die beiden ersten Halswirbel blockiert. Nun heben wir diese Blockade aktiv auf. Spürt nach, wie der Körper für Euch arbeitet !

Je häufiger wir unseren Nervus vagus stimulieren, desto widerstandsfähiger werden wir.

Mag. Waltraud Leobacher

Wie merken wir, wenn der Vagus-Nerv erstarrt ist ?

Unser Ruhe-Nerv ist Teil des Parasympathikus. Der wieder ist Teil des vegetativen Nervensystems, bestehend aus Parasympathikus, der – vereinfacht gesagt – für Ruhe sorgt, und Sympathikus, der uns aktiviert. Ein Zuviel an Aktivität des Parasympathikus im Körper gibt es auch: dann verfallen wir in Schockstarre. Das bedeutet, dass wir uns um die Wechselwirkung der Systeme im Körper gut kümmern dürfen.

Ganz oft sind wir unbewusst gestresst. Bei „Stress“ denken wir vielleicht an die Arbeit, doch es kann uns so viel mehr stressen, auch und gerade im persönlichen, privaten Umfeld. Es ist sogar möglich, dass der Stress gar nicht unser eigener ist. Ja, wir sind in der Lage, anderen ihr Unwohlsein abzunehmen. Das ist allerdings keine hilfreiche Gabe. Für uns nicht, weil wir etwas übernehmen, was gar nicht uns gehört. Für den anderen nicht, weil dieser seine Themen selber lösen muss und wir ihm dies zutrauen dürfen.

Es ist ein schönes Gefühl, wenn wir uns auf unseren gesunden Körper verlassen können

In meiner Coaching-Arbeit finden wir heraus, was uns blockiert. Wir hören dem Körper gut zu und ich übersetze, was der Körper zu sagen hat. Es ist verrückt, dass der Verstand oft etwas ganz anderes von sich gibt und wir Dinge für wahr und unumstößlich halten, die reine Interpretation sind und uns darüber hinaus schaden können. Hier kenne ich keinen Spielraum für Interpretation: wenn wir uns nicht wohl fühlen, blockiert sind, oder gar Schmerzen haben, sind wir nicht im Gleichgewicht und brauchen Unterstützung, um wieder in die Balance zu finden – und somit in unser Wohlgefühl. Sollte die Problematik mit der mangelnden Fähigkeit zu tun haben, in einem gewissen Bereich zu entspannen, dann ist es unsere Pflicht, herauszufinden, wo genau im Körper der Vagus-Nerv erstarrt ist.

Kurz gesagt: wenn wir uns nicht wohlfühlen, kann es sein, dass der Vagus-Nerv nicht überall frei arbeiten kann.

Mag. Waltraud Leobacher

Zum Beispiel ist ein angespannter Gesichtsausdruck ein Hinweis darauf, dass hier der Vagus-Nerv nicht arbeiten darf. Wer in der Nacht Stress abbaut, indem er mit den Zähnen knirscht, wird entweder einen schmerzenden Kiefer haben oder einfach gestresst aussehen. Das ist nur eines der zahlreichen Beispiele, wo überall der Vagus-Nerv erstarrt ist. Da er in so viele Regionen hinein reicht, vom Kopf bis in den Bauchraum, gibt es auch viele Möglichkeiten, wo er an seiner entspannenden Arbeit gehindert wird.

Die wichtigste Übung zur Stärkung des Vagus-Nervs

BEIM ESSEN NICHT STRESSEN !“

Essen mit allen Sinnen ist wunderbar !

Die „Darm-Datenautobahn“ des Vagus-Nervs geht in das limbische System, das ist das Zentrum unserer Gefühlswelt. Es liegt daher nahe, dass ein langsam gekautes, genussvoll zelebriertes Mahl unser Wohlbefinden erheblich steigert. Lasst uns das Essen also feiern, indem wir zum Beispiel unseren Essplatz schmücken, uns gutes Besteck und Geschirr gönnen, regionale Bio-Lebensmittel verarbeiten und unseren Essplatz ansprechend gestalten, ob wir alleine essen oder mit unseren Liebsten, eine Kleinigkeit oder ein 5-Gänge-Menü, Hauptsache, wir nehmen uns Zeit, das rät Euch

Eure Leo Coach

Mag. Waltraud Leobacher

Kommunikationswissenschafterin, Coach & Bewegungsphilosophin

Bibliographie:

Habib Navaz, Aktivieren Sie ihren Vagusnerv, VAK 2019

Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann, Schlank mit Darm

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