Wie geht´s, wie steht´s, wie läuft´s ?

Um einen Schritt nach vorne zu tun, müssen wir jedes Mal einen Sturz wagen

Der Fuß bildet die Basis für unseren aufrechten Gang. 28 Knochen sind mit über 33 Gelenken über Bänder und Sehnen verbunden, viele kleine Muskeln geben die notwendige Kraft dazu: das ist das Wunderwerk Fuß !

Was glaubt Ihr, wieviel Sehnen und Bänder – also Faszien – der Fuß für alle Bewegungen benötigt ? Sieben ? Siebzig ? Nein, noch mehr – es sind gesamt unfassbare 107 ! Am Unterschenkel und am Fuß finden sich zahlreiche Muskeln, welche über die Faszien (Sehnen) die Kraft an die entsprechenden Stellen übertragen – vom Unterschenkel zum Sprunggelenk, vom Fuß zu den Zehen etwa. Wir können uns vorstellen, dass es Sinn ergibt, diese vielen Gewebe speziell zu trainieren und so die Kraftübertragung zu optimieren, um einen beweglichen und vor Verletzungen geschützten Fuß zu erhalten.

Verschiedene Fußpositionen einnehmen stärkt die Struktur rund um das Sprunggelenk und trainiert die vielen kleinen Muskeln im Fuß optimal.

Das Gehen ist eine spannende Bewegung. Mit jedem Schritt nach vorne müssen wir uns nämlich erst einmal dazu überwinden, den festen Boden – und unseren Stand-Punkt – aufzugeben. Das kann bedeuten, dass wir ins Ungewisse tappen. Wird uns der neue Boden tragen ? Welchen Ein-Druck werden wir hinterlassen? Werden wir die Reise bestehen ? Standhaft sein können ?

Der Schwung beim Gehen erhöht sich, wenn wir in der idealen, aufrechten Haltung marschieren, die Muskulatur nicht verspannt ist, und vor allem: wenn wir beim Landen die gesamte Fußsohle gleichmäßig belasten. Als Grundlage brauchen wir dafür einen gut trainierten großen Zeh:

Grundübungen für einen gut trainieren großen Zeh

Stellen wir uns nun vor, unser Körper sei eine elastische Stahlfeder. Wenn wir beim Gehen den Fuß auf die Erde setzen, drücken wir diese Feder zusammen. So wird Energie gespeichert. Hebt der Fuß ab, wird dieselbe Energie wieder frei. Wir „federn“ in die Ausgangslage zurück. Unsere Körperfeder besteht aus Knochen, Faszien und Muskulatur. Während die Faszien, also Bindegewebe, Sehnen und Bänder, den aufgebauten Druck in Zug verwandeln, geben die Muskeln die Stabilität. Beim Ankommen auf der Erde entsteht eine Stoßwelle, die Faszien verkürzen sich wie die oben erwähnte Stahlfeder. Beim Abheben verlängern sich diese wieder, umso mehr, je höher beziehungsweise härter der Absprung ausfällt. Die Muskulatur hingegen behält während der gesamten Bewegung dieselbe Länge – während die Faszien wie die Stahlfeder auf Zug und Loslassen arbeiten.

Wir haben eingangs festgestellt, dass 107 Faszien für alle Fuß-Bewegungen notwendig sind und wir diese auch spezifisch trainieren können.

Diese dicke Faszie namens Achilles-Sehne ist ein starker Kraft-Übertrager.

Die Achillessehne ist so ein sehr festes Faszienband. Aus vielen Studien wissen wir, dass diese starke Sehne nach dem obigen Stahlfeder-Prinzip trainiert werden kann. Je elastischer und gleichzeitig zugkräftiger diese Faszie ist, desto stabiler stehen und gehen wir. Unser Fuß mit dem komplexen Sprunggelenk ist besser geschützt vor Verletzungen. Das Gehen, Hüpfen und Laufen erfordert weniger Energie. Spezielle Faszien-Bewegungen fördern die Elastizität und machen weitere Sprünge mit weniger Energieaufwand möglich.

Trainiere Deine Achilles-Sehne, um für Deinen Sport effektiver zu sein,
also weniger Energie für das Vorwärtskommen zu benötigen.

Doch die Faszien können noch mehr, als Kraft vom Muskel zu übertragen oder zu verteilen: in den Bindegewebsschichten sind Millionen von Körper-Meßfühlerchen verteilt, Mechanorezeptoren genannt. Diese melden dem Gehirn, ob es etwa kalt oder warm ist. Barfuß fühlen wir durch die Bindegewebsschicht der Fußsohle, Plantarfaszie genannt, wenn der Boden uneben ist, warm oder kalt, spitz oder stumpf, trocken oder feucht. Über diese „Fühlerchen“ bekommt unser Gehirn auch die Information über Stabilität und Balance unseres Auftretens. All diese Informationen nehmen wir meist nicht bewusst wahr, wir erhalten und verarbeiten diese ganz automatisch.

Wie standhaft sind wir auf ungewohntem Untergrund ? Es aktiviert die Mechanorezeptoren der Fußsohle, auf verschiedenen Böden zu laufen – und verwöhnt sogar die Organe!

Dabei ist es eine gute Idee, einmal ganz bewußt zu gehen und zu stehen, denn unser Auftreten können wir selber bestimmen: welchen Ein-Druck hinterlassen wir ? Wie kraftvoll lösen wir uns von alten Standpunkten ? Wieviel Mut beweisen wir, wenn wir diese alten Standpunkte verlassen – uns vom Boden lösen und ins Ungewisse marschieren ?

So kann der Fuß beim Gehen wie ein Spiegel für unsere Koordination sein. Dabei ist mir wichtig zu erwähnen, wie bedeutend die ideale Haltung für den Fuß ist. Ein Problem mit dem Fuß ist selten ganz allein auf den Fuß beschränkt, und umgekehrt – falsches Gehen kann sogar Kopfschmerz auslösen.

Was passiert denn genau beim Gehen?

Wenn wir den nach vorne marschierenden Fuß aktiv auf den Boden drücken, gewinnen wir Rückhalt und Antrieb. Die Rückseite des Körpers gewinnt an Kraft, und auch der Beckenboden wird gestärkt. Durch die bewusste Bewegung des Beckens beim Gehen werden auch Blase und Nieren unterstützt. Die Nieren sind am unteren Rücken aufgehängt, und sie arbeiten wie ein reinigender Dusch-Strahl. Die durch die Nieren gefilterte Flüssigkeit gelangt so erst in die Blase, bevor wir sie ausscheiden.

Beim Gehen brauchen und erhalten wir Rückgrat. Interessant ist, dass wir uns ausgelaugt und müde fühlen, wenn die Nieren nicht gut funktionieren. Wir spüren nicht genug Rückhalt und fühlen uns antriebslos.

Unterstützen wir also die Nierentätigkeit beim Gehen – und somit unser Rückgrat ?

Probieren wir es aus. Wie schon erwähnt, müssen wir, wenn wir in die Gänge kommen wollen, erst einmal wagen, unseren Standpunkt aufzugeben – mit dem Schwungbein. Bis dieses einen neuen Stand-Punkt gefunden hat, brauchen wir das Standbein, welches hinter der gedachten Lotlinie positioniert ist. Und genau aus diesem entsteht nun der Antrieb für den Schritt nach vorne. Ganz genau ist es der leicht nach oben gewölbte Mittelfuß. Durch die Federkraft dieses Fußgewölbes „schieben“ wir den Boden unter uns nach hinten.

BARFUSSÜBUNG: Im taufrischen Gras bewusst in der obigen Weise Schritt für Schritt aus der faszialen Federkraft des Fußgewölbes setzen – und spüren, wie wir uns mit jugendlich-beweglicher Faszienenergie aufladen und uns dadurch frisch und wach fühlen. Und wenn wir uns so fühlen – dann sprudelt auch der erfrischende Duschstrahl der Niere in unserem Körper munter dahin.

Den Fuß regelmäßig zu trainieren schafft die Basis für die perfekte Aufrichtung des Körpers.

Und was bedeutet diese fasziale Leichtigkeit für unser Leben ?

Wir können unsere Ziele von nun an mit weniger Energieaufwand als bisher erreichen. Und wir verbessern das Gleichgewicht in unserem Leben.

So starten wir mit federnder Leichtigkeit in unser wunderbares neues Leben – jeden Tag erneut, Schritt für Schritt,

das wünscht sich für uns alle

Eure Leo Coach

Mag. Waltraud Leobacher

Bewegungs- und Ernährungscoach

Kommunikationswissenschafterin

Text und Fuß-Bilder im Freien: Mag. Waltraud Leobacher

Bibliographie

http://www.orthopaeden-ms.de/fuss.html, 06.03.2019

Rogall, Thomas: Die Kunst des Gehens. Schritt für Schritt zu gesunden Füßen. München, 2011: Nymphenburger.

Der Times Square des Körpers

Kniecollage

Am Times Square des Körpers trifft sich alles.

Was können wir tun, um von diesem Verkehrschaos nicht gebeugt zu werden ? Wenn wir Schmerzen im Knie spüren, gibt es dafür zwei Möglichkeiten: wir wissen, warum es weh tut. Etwa, weil wir uns verdreht haben oder gestürzt sind. Oder wir wissen nicht, warum es auf einmal weh tut. Davon handelt dieser Beitrag.


In unserem Knie herrscht geschäftiges Treiben wie am Times Square: zwei Hauptstraßen, der Ober- und der Unterschenkel, führen darauf zu, daneben kleinere Seitenstraßen, die Muskeln und Faszien, Oberleitungen der Straßenbahnen, die Nerven, die Verkehrsinsel in Form der Kniescheibe und quer durch und drunter und drüber Fahrzeuge und Menschen – das Blut und Wasser des Körpers.

Das Knie als Kreuzung des Körpers – ein hinkender Vergleich ?

Dieses Bild kann uns helfen, die tragende Rolle des Kniegelenkes zu verstehen. Bei Sportverletzungen und Stürzen wissen wir sofort, warum es weh tut. Risse und Verschiebungen können an Faszien und Bändern durch einen Schlag, Stoß oder Sturz entstehen. Der Gang zum Sportarzt oder -therapeuten ist hier der erste Weg.  Wenn das Knie aber aus heiterem Himmel schmerzt, ohne ersichtlichen Grund, was dann ?

Diese schleichenden Veränderungen im Knie können ihre Ursache in Fehlbelastung und Haltungsschwächen haben, also in nicht ausbalancierter Muskelkraft und durch zuwenig spezifische Bewegung verklebte Faszienstrukturen.

Faustregel: Je besser der gesamte Körper trainiert ist, desto schneller kann auch das Knie nach Verletzungen heilen. Daher ist ein cleveres Ganzkörpertraining die beste Versicherung gegen Verletzungen aller Art. Pilates und Faszienbewegung bieten sich dafür an.

Das Knie hat die herausfordernde Aufgabe, sowohl stabil als auch beweglich zu sein. Das ist eine Gratwanderung, denn zuviel Beweglichkeit bringt das Knie aus der Spur, und zuviel Stabilität lässt es einrosten. Die erste und wichtigste Funktion des Knies ist das Beugen, und hier wird es spannend, denn im gebeugten Zustand ist dieses Gelenk am verletzungsanfälligsten. Schifahrer wissen ein Lied davon zu singen !

Wenn die Verletzung schon da ist: je nach Diagnose des Arztes oder Therapeuten kann parallel bereits ein sanftes Beinachsen- und spezifisches Knie-Rehab-Training gestartet werden. Sanftes Muskel- und Faszientraining für das Knie fördert die Heilung.

Wie finden wir die richtige Balance zwischen Beweglichkeit und Stabilität ?

Durch das Bild des Knies als Kreuzung vielfältiger Strukturen können wir besser verstehen, dass abwechslungsreiche Bewegungen gut für das Gelenk sind. Bei Schönwetter ist das Spazieren in der freien Natur herrlich, und dabei können wir, anstatt immer nur geradeaus zu marschieren, auch einmal seitlich oder sogar rückwärts gehen. Das kräftigt Strukturen um das Knie, die wir im Alltag vernachlässigen. Seit-Kicks mit dem Fuß über die Körpermitte hinaus sind auch eine Wohltat für das geplagte Knie. Man kann sich dabei ja einen Ball oder ein Steinchen vorstellen, welches man seitlich wegkicken möchte !

Die Basis für ein gesundes Knie ist weiters auch ein guter Stand. Die Füße hüftbreit aufgestellt, mit Fuß-, Knie- und Hüftgelenk übereinander, die Kniescheiben nach vorne ausgerichtet und die Kniegelenke nicht ganz durchgedrückt – so stehen wir ideal da. Das können wir vor dem Spiegel üben. Sehen wir uns von der Seite an: wenn eine gedachte gerade vertikale Linie durch Knöchel, seitliches Knie, Rollhügel (das ist der seitliche Hüftknochen) und mitten durchs Schultergelenk und die Ohren zieht, dann stehen wir richtig.

Bei Schmerzen lohnt es sich, einmal hinzuhören: knackt es im Gelenk ? Das deutet auf Meniskusverletzungen und Knorpeldefekte hin. Oder reibt es wie Sandpapier ? Das könnte auf einen Abnutzungsprozess wie Arthrose hinweisen. Ja, und wenn es schnalzt – dann ist das Kreuzband gerissen. Sehr schmerzhaft !


2 Hinweise bei Schmerzen im Knie

  • Schmerzen beim  Beugen und Strecken deuten auf Meniskusschäden hin
  • Schmerzen während des Drehens lassen auf Bänderrisse schließen

Von Arthrose sind so viele Menschen betroffen, dass diesem noch ein eigener Blogbeitrag gewidmet wird. Das Knie ist „auf einmal“ nicht mehr so beweglich und kann anschwellen. Nur soviel vorweg: je früher man dabei mit Gelenke-Training beginnt, desto wahrscheinlicher ist eine vollständige Genesung. Cleveres Muskel- und Faszientraining trägt dem Fakt Rechnung, dass so ein Gelenk Druck und Zug braucht, um geschmiert zu laufen. Wie ein Schwamm drücken wir „Schlacke“-Körperwasser heraus, das den Körper altern liesse; schon saugt sich der Gelenkknorpel mit frischem Wasser auf, erfrischt und verjüngt uns.


2 Tipps bei akuten Knieschmerzen

  • Kälte reduziert das Schmerzempfinden. Coolpack für 30-40 Sekunden mehrmals täglich auflegen hilft
  • Bei Bedarf ist Wärme in Form eines Kirschkernkissens oder einer Wärmeflasche das Richtige. Sie spüren instinktiv, ob Sie gerade Wärme oder Kälte brauchen
  • Das Knie braucht Ruhe und Zeit. Entzündungen etwa klingen nach einer Woche ab

Es lohnt sich, einen Experten für Knie-Rehab-Training aufzusuchen und vor allem: mit dem Training dranzubleiben. Denn wenn die Schmerzen erst einmal chronisch sind, helfen geduldige Beständigkeit und die richtigen Bewegungen, um das Knie wieder gesund, fit und stau-frei zu halten. Damit auf unserem Times Square alles rund läuft !

Dass bei Ihnen alles rund läuft, das wünscht Ihnen von Herzen

Ihre „LEO Coach“

Mag. Waltraud Leobacher

Pilates und Faszienbewegung

www.gsundhaus.net


 

Verantwortlich für den Text: Mag.phil. Waltraud Leobacher, Kommunikationswissenschafterin, Pilates- und Faszientrainerin
Bilder: Collage aus Wikipedia, und Economic Times, 17.09.2018
Textquelle: Bartrow, Kay: Schwachstelle Knie. TRIAS, Stuttgart 2015.

Blog erstellt am 18.09.2018

 

 

 

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