Für immer stark dank Superman
Für immer stark dank Superman

Für immer stark dank Superman

Mattsee (leo). Wenn der Körper altert, spiegelt sich dieser Vorgang auf unserer Haut. Je älter wir werden, desto mehr Falten und Furchen zeigen sich im Äußeren. Doch was passiert denn beim Altern eigentlich in unserem Inneren, und können wir mit diesem Wissen das Jungbleiben trainieren ? 

Unter der Haut liegt das Unterhautgewebe, darin wieder eine dicke Fettschicht und eine etwas dünnere, und darunter liegt die tiefen Faszie. Sie umhüllt und schützt alle Muskeln und Sehnen. Diese tiefe Faszie funktioniert als Stoßdämpfer für unseren Körper.

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Die Unterhaut enthält Kollagen- und Elastinfasern. Erstere umhüllen auch unsere Fettzellen und verbinden die Haut mit der tiefen Faszie. Sie machen unsere Haut dehnbar und elastisch. Die Belastbarkeit beruht auf der Quervernetzung durch so genannte crosslinks, die zwischen den einzelnen Proteinketten eines Kollagenmoleküls oder verschiedenen Kollagenmolekülen entstehen können. Es handelt sich dabei um Aminosäurebrücken, für deren Ausbildung auch Vitamin C wichtig ist (1).

Das Bilden von Crosslinks können wir uns vorstellen wie das Schiffchen auf dem guten alten Webstuhl, das in die längs-gerichteten Fäden einen queren Faden einzieht. Crosslinks  sind also wichtig, um Straffheit zu gewährleisten. Wenn das Schiffchen seine Arbeit aber zu intensiv weiterführt, rücken die Kollagenfasern näher zusammen, es kommt zu Unbeweglichkeiten, und wir müssen einen Weg finden, um dieses Zuviel an Kollagen wieder abzubauen.

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Kollagene Fasern festigen die Haut

Doch auch ein zu wenig ist problematisch: je weniger kollagene und elastische Fasern wir haben, desto schlaffer wird die Haut, auch die oberflächliche Faszie wird unelastisch, die Weichgewebe hängen herab und es entwickeln sich Cellulite und Pseudofettpolster, Hautverformungen, die aussehen, als seien sie durch Fetteinlagerungen verursacht (2). Die Haut wird trocken. (*siehe unten)

Der Buddy im Körper – Baumeister der Jugend

Wir brauchen also eine Lösung, um sowohl ein zu viel als auch ein zu wenig an Zugspannung im Körper durch das fasziale Netz zu finden und zu erhalten. Dazu suchen wir uns im Körper einen Buddy, der das mit uns schafft. Und jetzt wird´s richtig spannend. Im subkutanen Gewebe finden wir die Buddies  im Zellbau, die Baumeister unserer Jugend: die Fibroblasten. Diese bilden im Notfall noch Superman-Kollegen aus, die Tag und Nacht arbeiten, angestoßen durch Vorgänge im Körper wie Hautverletzung, aber auch durch von uns bewusst gesetzte Reize: die Myofibroblasten. Sie stellen Proteinbausteine unter anderem für Kollagen- und Elastinfasern her, und sie sind am Abbau von altem Kollagen und anderen Fasern beteiligt, jener Fasern, die zum  Beispiel eine Wunde geheilt haben und so eine Narbe gebildet haben. Die Fibroblasten sind also Kollagen-Baumeister, Erstversorger und auch Heiler. Unsere Buddies und Supermen des Körpers !

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Wie das Schiffchen auf dem Webstuhl baut unser Körper Faser für Faser Kollagen auf

Superman Faszienzelle hält uns jung

Wir wissen jetzt, wie die Myofibroblasten arbeiten: sie bekommen einen Notruf vom Körper, etwa durch eine Schürfwunde, setzen sich den Baumeisterhelm auf und arbeiten solange, bis die Wunde geheilt ist. Sie arbeiten so intensiv, dass sich sogar ein Überschuss an Kollagen bilden kann – eine Narbe. Wir erinnern uns an das Schiffchen auf dem Webstuhl, das die Fäden zu fest anzieht. Auch da schaffen wiederum die Fibroblasten Abhilfe – sie transportieren diesen Überschuss ab. Dazu brauchen sie unsere Hilfe.

Können wir die Fibroblasten dazu animieren, nicht nur Narben zu glätten, sondern überhaupt gleich den Alterungsvorgang zu bremsen ? 

Die kühne Antwort lautet: yes, we can !

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Bewegliches versus verklebtes Fasziengewebe

Das Schiffchen am Webstuhl ist auch der Zahn der Zeit. Mit dem Alter „versprödet“ die Faszie, die Schichten gleiten nun ohne gebundenes Wasser nicht mehr mühelos übereinander, sie verfilzen sich, und schließlich kann sich auch der darunterliegende Muskel nicht mehr gut bewegen.

Diese pathologischen crosslinks werden begünstigt durch permanenten Stress wie etwa Mobbing, eine Trennung, Depressionen, Rauchen, sowie falsche Ernährung und dadurch Übersäuerung des Körpers. Ja, auch einseitige sportliche Anstrengungen mit zu wenig faszialer Vorbereitung fallen darunter. Diesen Verfilzungsprozess können wir  mit geeignetem Training aufhalten und sogar umkehren (2).       

Wie können wir denn Jungbleiben trainieren ?

Die Lösung liegt in manueller Faszientherapie, wie etwa im Rolfing, und im aktiven Bewegen wie in der Faszienbewegung. Langsames Rollen auf der Faszienrolle, kombiniert mit ganz langen Dehnungen und der Schärfung unseres 6. Sinnes helfen uns, aus dieser steifen Phase wieder herauszukommen und den Körper zu verjüngen.

Durch die Sogwirkung der Hartschaumrolle werden freie Radikale ausgeschwemmt, und es wird noch daran gearbeitet wissenschaftlich zu beweisen, dass die Neuproduktion oder intensivierte Tätigkeit des Hyaluronan angeregt wird; dieses zieht  kurz gesagt frisches Wasser in die Bindegewebszellen, die Fasziengewebe tanken sich frisch auf und gleiten wieder reibungsfrei – und somit werden wir wieder jugendlich-beweglich (4).

Ein Beispiel für eine myofasziale Dehnung ist der „Flamingo Stretch“ , stehend durchgeführt mit einem gestreckten Bein auf einem Stuhl (klicke auf Link). 

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Denken ist Chemie ist Gesundheit

Lohnend ist das Schärfen des 6. Sinnes. Je mehr Gespür wir für unseren Körper entwickeln, desto besser schützen wir uns vor Schmerzen und somit vor dem Altern. In Indien wird dieses Gespür „Prana“ genannt, was bei uns im Westen gerne mit „Lebenskraft“ übersetzt wird. Es geht um eine Verbindung von Körper und Geist, durch welche wir uns jung halten können, und die Kernaussage ist simpel: mit jedem Gedanken geht eine chemische Substanz einher. Wir verdauen nicht nur Nahrung, sondern alles, was wir wahrnehmen. Unsere Biochemie ist vom Bewusstsein abhängig. Wenn wir unseren Körper ändern wollen, tun wir gut daran, erst einmal unser Bewusstsein zu verändern (5). Meditation ist genauso ein Weg wie das „sensory refinement„, ein unverzichtbarer Teil der Faszienbewegung.

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Faszination Faszientraining: der Körper heilt sich selbst, während wir uns entspannen.

Faszinierend – wir können unseren Körper so „umbauen“, wie es unseren Bedürfnissen und Anforderungen entspricht.

Und zum Schluss kommt das Beste, Leute: Während wir die Supermänner unseres Körpers nun auf die Faszien-Baustelle geschickt haben, auf welcher sie zwischen 24 und 72 Stunden durchgehend arbeiten, um uns so zu verschönern, sind wir dazu angehalten, die Pause zu nützen und – gar nichts zu tun, außer auf unseren Körper zu lauschen.

Lassen wir Superman mal machen

Wir profitieren also von der Pause, hurra ! Und während wir im Liegestuhl lebensfreudig unseren Vitamincocktail schlürfen, lassen wir vertrauensvoll Superman mal machen,

das empfiehlt Euch Eure    

 Leo Coach

Mag. Waltraud Leobacher 

(*) Körperstellen, wo wir weniger Beweglichkeit als Straffheit brauchen, gilt ein neu entwickelter Teil der Faszienfitness: das FASCIAL TONING. Diesem widmen wir einen eigenen Blog. Also dranbleiben !

Für den Text verantwortlich: Mag. Waltraud Leobacher   | Bilder: Shutterstock, Fascial Fitness Association

Quellen: 
(1) Schleip, R., Findley, T.W., Chaitow L., Huijing P.A. (Hg.). Lehrbuch Faszien. München: Elsevier Urban& Fischer, 2014. 
(2) Lockwood TE. Superficial fascia system (SFS) of the trunk and extremities: a new concept. Plast Reconstr Surg 1991; 87: 1, 009-1, 018. 
(3) Järvinen TA, Jozsa L., Kannus P. et al. Organization and distribution of intramuscular connective tissue in normal and immobilized skeletal muscles. An immunohistochemical, polarization and scanning electron mucroscopic study. Muscle Res Cell Motil 2002; 23 (3): 245-254, zitiert bei Dennenmoser, Stefan, http://dx.doi.org/10.1055/s-0034-137 
(4) Müller, Divo G., Training für die Faszien. Die Erfolgsformel für ein straffes Bindegewebe. München: Südwest Verlag, 2015. 
(5) Chopra, Deepack, Jung bleiben ein Leben lang. Vitalität und Klarheit bis ins hohe Alter. Burgrain: Koha Verlag, 2011.

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