Der Times Square des Körpers
Der Times Square des Körpers

Der Times Square des Körpers

Kniecollage

Am Times Square des Körpers trifft sich alles.

Wenn wir Schmerzen im Knie spüren, gibt es dafür zwei Möglichkeiten: wir wissen, warum es weh tut. Etwa, weil wir uns verdreht haben oder gestürzt sind. Oder wir wissen nicht, warum es auf einmal weh tut. Von letzterem handelt dieser Beitrag. Was können wir tun, um von diesem Verkehrschaos nicht gebeugt zu werden ?


Gesunde, gut geschmierte Knie sind eine Freude
In unserem Knie herrscht geschäftiges Treiben wie am Times Square: zwei Hauptstraßen, der Ober- und der Unterschenkel, führen darauf zu, daneben kleinere Seitenstraßen, die Muskeln und Faszien, Oberleitungen der Straßenbahnen, die Nerven, die Verkehrsinsel in Form der Kniescheibe und quer durch und drunter und drüber Fahrzeuge und Menschen – das Blut und Wasser des Körpers.

Anatomie des Knies

Von Henry Vandyke Carter - Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body
Kniegelenk – Ansicht von außen

Die beteiligten Knochen sind:

  • Der Oberschenkelknochen (Femur)
  • das Schienbein (Tibia)
  • die Kniescheibe (Patella)

Das Kniegelenk ist von vielen Strukturen gesichert, festen Faszienbändern, die die Knochen stabilisieren. So ist die Kniescheibe in eine große Sehne eingebettet, die zum Oberschenkel-Muskel gehört. Diese Kniescheibe ist ein Schutzschild, das bei Stürzen wie ein Puffer wirkt. Das Knie wird seitlich von den Seitenbändern fixiert. Diese Sehnenstränge verhindern, dass das Knie zum Körper hin und vom Körper weg aufklappt. Zwei Kreuzbänder liegen im Inneren des Kniegelenks und halten das Schienbein stabil, sodass dieses weder zurück noch nach vorne ziehen kann, weg vom Oberschenkelknochen.

Von Henry Vandyke Carter - Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See "Buch" section below)Bartleby.com: Gray's Anatomy, Tafel 351, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=566487
Kniegelenk – Ansicht von hinten

Innerhalb des Kniegelenkes gibt es neben den Kreuzbändern auch noch zwei Menisken. Diese sind sehr wichtig, um unsere unterschiedlichen Oberflächen vom Oberschenkelknochen und vom Schienbein auszugleichen. Die Menisken helfen uns, die Kraft besser zu verteilen.

Hier zur Übersicht noch einmal die sehnigen Strukturen des Kniegelenkes:

  • Ligamentum patellae – die Sehne, in welcher die Kniescheibe eingebettet ist
  • Ligamentum collaterale – zwei Seitenbänder, die das Knie seitlich fixieren
  • Ligamentum cruciatum – zwei Kreuzbänder im Inneren des Knies
  • Innen- und Außenmeniskus

Zusätzlich haben wir viele kleine Schleimbeutel im Kniegelenk und zwischen Kniescheibe und Schienbein einen Fettpolster – diese wirken ebenfalls wie ein Puffer, um Stöße abzudämpfen und das Knie zu schonen.

Wir sehen also – die Strukturen sind zahlreich, und dabei haben wir uns nicht einmal die Nerven und Muskeln in diesem Bereich angesehen !

Das Knie als Kreuzung des Körpers – ein hinkender Vergleich ?

Dieses Bild kann uns helfen, die tragende Rolle des Kniegelenkes zu verstehen. Bei Sportverletzungen und Stürzen wissen wir sofort, warum es weh tut. Risse und Verschiebungen können an Faszien und Bändern durch einen Schlag, Stoß oder Sturz entstehen. Der Gang zum Sportarzt oder -therapeuten ist hier der erste Weg.

Wenn das Knie aber aus heiterem Himmel schmerzt, ohne ersichtlichen Grund, was dann ?

Diese schleichenden Veränderungen im Knie können ihre Ursache in Fehlbelastung und Haltungsschwächen haben, also in nicht ausbalancierter Muskelkraft und durch zuwenig spezifische Bewegung verklebte Faszienstrukturen.

Faustregel: Je besser der gesamte Körper trainiert ist, desto schneller kann auch das Knie nach Verletzungen heilen. Daher ist ein ausgewogenes Ganzkörpertraining die beste Versicherung gegen Verletzungen aller Art.

Das Knie hat die herausfordernde Aufgabe, sowohl stabil als auch beweglich zu sein. Das ist eine Gratwanderung, denn zu viel Beweglichkeit bringt das Knie aus der Spur, und zu viel Stabilität lässt es einrosten. Die erste und wichtigste Funktion des Knies ist das Beugen, und hier wird es spannend, denn im gebeugten Zustand ist dieses Gelenk am verletzungsanfälligsten. Schifahrer wissen ein Lied davon zu singen !

Wenn die Verletzung schon da ist: je nach Diagnose des Arztes oder Therapeuten kann parallel bereits ein sanftes Beinachsen- und spezifisches Knie-Rehab-Training gestartet werden. Sanftes Muskel- und Faszientraining für das Knie fördert die Heilung.

Wie finden wir die richtige Balance zwischen Beweglichkeit und Stabilität ?

Durch das Bild des Knies als Kreuzung vielfältiger Strukturen können wir besser verstehen, dass abwechslungsreiche Bewegungen gut für das Gelenk sind. Bei Schönwetter ist das Spazieren in der freien Natur herrlich, und dabei können wir, anstatt immer nur geradeaus zu marschieren, auch einmal seitlich oder sogar rückwärts gehen. Das kräftigt Strukturen um das Knie, die wir im Alltag vernachlässigen. Seit-Kicks mit dem Fuß über die Körpermitte hinaus sind auch eine Wohltat für das geplagte Knie. Man kann sich dabei ja einen Ball oder ein Steinchen vorstellen, welches man seitlich wegkicken möchte !

Die Basis für ein gesundes Knie ist weiters auch ein guter Stand. Die Füße hüftbreit aufgestellt, mit Fuß-, Knie- und Hüftgelenk übereinander, die Kniescheiben nach vorne ausgerichtet und die Kniegelenke nicht ganz durchgedrückt – so stehen wir ideal da. Das können wir vor dem Spiegel üben. Sehen wir uns von der Seite an: wenn eine gedachte gerade vertikale Linie durch Knöchel, seitliches Knie, Rollhügel (das ist der seitliche Hüftknochen) und mitten durchs Schultergelenk und die Ohren zieht, dann stehen wir richtig.

Bei Schmerzen lohnt es sich, einmal hinzuhören: knackt es im Gelenk ? Das deutet auf Meniskusverletzungen und Knorpeldefekte hin. Oder reibt es wie Sandpapier ? Das könnte auf einen Abnutzungsprozess wie Arthrose hinweisen. Ja, und wenn es schnalzt – dann ist das Kreuzband gerissen. Sehr schmerzhaft !


2 Hinweise bei Schmerzen im Knie

  • Schmerzen beim  Beugen und Strecken deuten auf Meniskusschäden hin
  • Schmerzen während des Drehens lassen auf Bänderrisse schließen

Von Arthrose sind so viele Menschen betroffen, dass diesem noch ein eigener Blogbeitrag gewidmet wird. Das Knie ist „auf einmal“ nicht mehr so beweglich und kann anschwellen. Nur soviel vorweg: je früher man dabei mit Gelenke-Training beginnt, desto wahrscheinlicher ist eine vollständige Genesung. Cleveres Muskel- und Faszientraining trägt dem Fakt Rechnung, dass so ein Gelenk Druck und Zug braucht, um wie geschmiert zu laufen. Wie ein Schwamm drücken wir „Schlacke“-Körperwasser heraus, das den Körper altern ließe; schon saugt sich der Gelenkknorpel mit frischem Wasser auf, erfrischt und verjüngt uns.


2 Tipps bei akuten Knieschmerzen

  • Kälte reduziert das Schmerzempfinden. Coolpack für 30-40 Sekunden mehrmals täglich auflegen hilft (nicht direkt auf die Haut)
  • Bei Bedarf ist Wärme in Form eines Kirschkernkissens oder einer Wärmeflasche das Richtige. Sie spüren instinktiv, ob Sie gerade Wärme oder Kälte brauchen
  • Das Knie braucht Ruhe und Zeit. Entzündungen etwa klingen nach einer Woche ab

Es lohnt sich, einen Experten für Knie-Rehab-Training aufzusuchen und vor allem: mit dem Training dranzubleiben. Denn wenn die Schmerzen erst einmal chronisch sind, helfen geduldige Beständigkeit und die richtigen Bewegungen, um das Knie wieder gesund, fit und stau-frei zu halten. Damit auf unserem Times Square alles rund läuft !

Dass bei Ihnen alles rund läuft, das wünscht Ihnen von Herzen

Ihre „LEO Coach“

Mag. Waltraud Leobacher

Bewegungsphilosophin

www.leo-coaching.com


Verantwortlich für den Text: Mag.phil. Waltraud Leobacher, Kommunikationswissenschafterin, Pilates- und Faszientrainerin und Coach
Bilder: Collage aus Wikipedia, und Economic Times, 17.09.2018, Knie-Gelenke Wikipedia, 16.02.2021
Textquelle: Bartrow, Kay: Schwachstelle Knie. TRIAS, Stuttgart 2015, und Wikipedia, 16.02.2021.

Blog erstellt am 18.09.2018, überarbeitet am 16.02.2021

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