Wenn die Hose nur mehr auf dem Kopf passt

Gestatten, ich bin´s, Dein innerer Schweinehund. Wuff !

Vom „inneren Schweinehund“ sprechen wir, wenn wir uns nicht überwinden können, etwas zu tun. Um zu verstehen, warum das so ist, habe ich für Euch einmal einen Blick in unser Gehirn gewagt.

Na bravo: mein Neujahrsvorsatz, doch endlich ein paar Kilos zu verlieren, hat sich noch vor der Schneeschmelze in Luft aufgelöst. Meine geliebte Sommerhose, die ich so gern beim Segeln trage, passt mir nur mehr auf dem Kopf. Und überhaupt – jetzt habe ich gar keine Lust mehr auf Vorsätze !

Was will denn der blöde Schweinehund hier ?!

Woran liegt es, dass wir so häufig daran scheitern, unsere Ziele überhaupt zu verfolgen, geschweige denn, sie zu erreichen ?

Um diese Fragen zu beantworten, und um meinen Frust zu lindern, habe ich meine Nase wieder einmal in Bücher gesteckt. Dabei habe ich herausgefunden, dass es einerseits eine große Rolle zu spielen scheint, wie wir Ziele formulieren, und andererseits muss diese Formulierung auch zu unserer Persönlichkeit passen. Wenn die Formulierung, also ein Vorhaben, nicht zu unserer Persönlichkeit passt, verweigert ein Teil unseres Gehirnes einfach die Arbeit. Und das, ohne dass wir dies bemerken würden.

Was passiert in unserem Gehirn bei einem Vorsatz, der nicht zu uns passt?

Wenn wir eine Zielformulierung nur mit unserem Verstand vornehmen und das Unbewusste nicht einbeziehen, meldet sich prompt unser Schweinehund, der ebendort sitzt und seine ganz eigenen Ziele für uns bereit hält.

Dabei meint dieser es durchaus gut mit uns. Der Schweinehund steht für unsere Ängste, unsere Vorahnungen, für das unbestimmte Gefühl, was wohl passieren würde, wenn wir so ein Verstandesziel tatsächlich erreichten.

Ist der innere Schweinehund eigentlich zu zähmen – oder stecke ich ihm lieber die Zunge raus ?!

Nehmen wir uns also nur mit unserem Verstand vor, eine Beförderung zu erreichen, und schaffen dann den Weg vom Arbeitsplatz zum Chefbüro einfach nicht, dann könnte es ja sein, dass uns der Schweinehund andauernd zuflüstert: willst Du wirklich künftig noch mehr arbeiten? Oder willst Du doch lieber weiterhin Zeit für Deine Liebsten haben? Und Zeit zum Spielen und für Auslauf, ja, die braucht der Schweinehund!

Natürlich können wir auch nur mit dem Verstand gesteckte Ziele erreichen, ohne das Unbewusste mit einzubeziehen. Ein dauerhafter Erfolg aus einem rein verstandesmäßig gefassten Entschluss kann allerdings anstrengend für uns werden. Wenn wir unser Leben derart über-diszipliniert verbringen, winken Zivilisationskrankheiten in der Ferne.

Warum ist es anstrengend, wenn wir ein Ziel nur mit dem Verstand erreichen wollen ?

Weil auf diese Weise unsere Emotionen, Einstellungen und Werte nicht einbezogen sind – und wir erst mit diesen inneren Ressourcen das Wichtigste schaffen können, um ein erfülltes Leben zu führen: inneren, dauerhaften Antrieb. Diese ganz natürliche innere Motivation ist die Kraft, die uns scheinbar ganz leicht unseren wirklichen Zielen zuführt. Zielen, die auch der Schweinehund gut findet – besonders, wenn noch Zeit zum Spielen bleibt.

Langsam dämmert´s mir: mein Bauch ist der Chef beim Ziele-Erreichen. Das taugt dem Schweinderl !

Was passiert also mit uns bei einem Entschluss, den wir nur mit dem Kopf gefasst haben?

Es könnte sein, dass sich dieser im Bauch ganz komisch anfühlt. Es ist uns mulmig bei dem Gedanken, den Verstandesweg zu gehen. Dieses Bauchgefühl nun ist es aber gerade, das uns dauerhafte Erfolge sichert, wenn wir es einbeziehen. Wenn wir also auf unseren Körper „hören“. In der Hirnforschung spricht man bei diesem Bauchgefühl vom so genannten „somatischen Marker“.

Wenn wir an eine bestimmte, sehr unangenehme Situation von früher denken, steigen Emotionen in uns auf. Und diese wiederum lassen sich im Körper gut feststellen. Denken wir an den zugeschnürten Hals, vom Druck auf dem Herzen, vom Knopf in unserem Bauch oder Beinen aus Beton. Alle diese Emotionen sind somatische Marker.

Der Körper zeigt in diesem Fall, dass es zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten einen Konflikt gibt. Wenn wir nun das Pferd von hinten aufzäumen, uns also in eine positive Grundstimmung versetzen mit Hilfe von Bildern, Dingen, Musik, Gerüchen, dann sind wir in der Verfassung, ein Ziel nachhaltig zu verfolgen. Die Brücke vom Bewussten zum Unbewussten funktioniert über Bilder.

An jedem Wort hängt ein Bild und an jedem Bild hängt ein Gefühl.

Wilma Bucci, Psychoanalytikerin

Worte, mit denen wir unsere Ziele bauen, müssen starke und eindeutige Bilder produzieren, damit wir uns in unserem Körper stark und eindeutig gut fühlen. 

Ahaa – Ziele erreichen mit Hirn UND Herz und mein Schweinehund arbeitet für mich !

Mit allen unseren Sinnen machen wir uns auf in unser Traumleben

Entscheidend für ein freies, glückliches, selbstbestimmtes Leben ist also eine Zielformulierung mit allen unseren Sinnen – auf emotionaler, körperlicher und geistiger Ebene.  Das Zürcher Ressourcen-Modell gibt uns eine für jedermann gut durchführbare Methode an die Hand, um unsere ganz persönlichen Ziele mit allen Sinnen zu formulieren. Das Schöne daran ist, dass diese Methode ganz und gar nicht anstrengend ist, vielmehr verspielt und sehr locker daherkommt. Ganz so, wie es der Schweinehund eben mag. Maja Storch und Frank Krause haben diese Methode in den 1990er-Jahren für die Universität Zürich entwickelt.

Der Effekt dieser Arbeit an uns ist, dass die Entschlossenheit steigt, ein Ziel in Angriff zu nehmen. Derart motiviert, fühlen wir uns großartig.

(Wir) sind () voller Energie, fühlen uns stark, fähig und entschlossen und bewegen uns auf ein Ziel zu.

Carver und White 1994; Greenaway et al. 2015; Elliot 2008; Harmon-Jones et al. 2011, in: SMART oder MOTTO?, siehe Bibliographie

Wir fühlen uns unglaublich gut, machen etwas, das uns Spaß macht und dürfen so sein, wie wir halt einmal sind.

Mag. Waltraud Leobacher

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Die Hürde kommt im Alltag. Über Erfolg und Nichterfolg entscheidet, wie oft wir unsere erarbeiteten Bilder und bildhaften Beschreibungen im Alltag aktivieren, uns daran immer wieder erinnern.

Und wenn wir diese starken Bilder und Worte auch noch verkörpern mittels Embodiment, uns zum Beispiel ab und zu wiegend bewegen wie auf einem Bötchen auf dem Meer, ja, spätestens dann ist der Schweinehund mit an Bord und segelt mit uns in Richtung freies Leben. Dann ist es so wie mit allem im Leben: das, worum wir uns kümmern, das wächst und gedeiht.

Mögen also unsere Ziele so formuliert sein, und wir diese in unserem Leben verankern, sodass wir mit Schaumkrönchen-Wind Kurs auf das Leben nehmen, das wir uns erträumen, und das natürlich in der passenden Hose,

das wünscht uns allen

Mag. Waltraud Leobacher

Kommunikationswissenschafterin, Coach & Bewegungsphilosophin

verantwortlich für Bild und Text, geschrieben am 07.05.2019, neu editiert am 06.04.2021


BIBLIOGRAPHIE

  • Storch, Dr., Maja;  Hüther, Prof.Dr.rer.nat.Dr.med.habil., Gerald; Cantieni, Benita; Tschacher, Prof.Dr.phil., Wolfgang: Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Bern: Verlag Hans Huber, 3. Nachdruck 2015 der 2., erweiterten Auflage 2010.
  • Mühlberger, Mag. Dr., Christina; Büche, MSc. S, Angela; Jonas, Prof.Dr., Eva: SMART oder MOTTO? Von der Hemmung in die Handlungsfähigkeit durch passende Zielformulierung. Organisationsberat. Superv. Coach (2018) 25:147–160, online publiziert 04.05.2018, https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11613-018-0546-4

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