Unser bester Freund – der innere Schweinehund

Vom Sündenbock zum Traum-Erfüller

Vom inneren Schweinehund sprechen wir, wenn wir uns nicht überwinden können, etwas zu tun. Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt sich ein Blick in unser Gehirn.

Wir alle kennen das: Neujahrsvorsätze, die sich noch vor der Schneeschmelze in Luft auflösen. Woran es liegt, dass wir so häufig daran scheitern, unsere Ziele überhaupt zu verfolgen, geschweige denn, sie zu erreichen, kann uns die Gehirnforschung beantworten.

Einerseits spielt es eine große Rolle, wie wir die Ziele formulieren, und andererseits muss diese Formulierung auch zu unserer Persönlichkeit passen, denn ansonsten verweigert ein Teil des Gehirns einfach die Arbeit.

Wenn wir eine Zielformulierung nur mit unserem Verstand vornehmen und das Unbewusste nicht einbeziehen, meldet sich prompt unser Schweinehund, der ebendort sitzt und seine ganz eigenen Ziele für uns bereit hält.

Dabei meint dieser es durchaus gut mit uns. Der Schweinehund steht für unsere Ängste, unsere Vorahnungen, für das unbestimmte Gefühl, was wohl passieren würde, wenn wir so ein Verstandesziel tatsächlich erreichten.

Nehmen wir uns also nur mit unserem Verstand vor, eine Beförderung zu erreichen, und schaffen dann den Weg vom Arbeitsplatz zum Chefbüro einfach nicht, dann könnte es ja sein, dass uns der Schweinehund andauernd zuflüstert: willst Du wirklich künftig noch mehr arbeiten? Oder willst Du doch lieber weiterhin Zeit für Deine Liebsten haben? Und Zeit zum Spielen und für Auslauf, ja die braucht der Schweinehund!

Natürlich können wir auch nur mit dem Verstand gesteckte Ziele erreichen, ohne das Unbewusste mit einzubeziehen. Ein dauerhafter Erfolg aus einem rein verstandesmäßig gefassten Entschluss kann allerdings anstrengend für uns werden. Warum?

Weil auf diese Weise unsere Emotionen, Einstellungen und Werte nicht einbezogen sind – und wir erst mit diesen inneren Ressourcen das Wichtigste schaffen können, um ein erfülltes Leben zu führen: inneren, dauerhaften Antrieb. Diese ganz natürliche innere Motivation ist die Kraft, die uns scheinbar ganz leicht unseren wirklichen Zielen zuführt. Zielen, die auch der Schweinehund gut findet – besonders, wenn noch Zeit zum Spielen bleibt.

Was passiert also mit uns bei einem Entschluss, den wir nur mit dem Kopf gefasst haben?

Es könnte sein, dass sich dieser im Bauch ganz komisch anfühlt. Es ist uns mulmig bei dem Gedanken, den Verstandesweg zu gehen. Dieses Bauchgefühl nun ist es, das uns dauerhafte Erfolge sichert, wenn wir es einbeziehen. Wenn wir also auf unseren Körper „hören“. In der Hirnforschung spricht man bei diesem Bauchgefühl vom so genannten „somatischen Marker“.

Wenn wir an eine bestimmte, sehr unangenehme Situation von früher denken, steigen Emotionen in uns auf. Und diese wiederum lassen sich im Körper gut feststellen. Wir sprechen etwa vom zugeschnürten Hals, vom Druck auf dem Herzen, vom Knopf im Bauch. Alle diese Emotionen sind somatische Marker.

Der Körper zeigt in diesem Fall, dass es zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten einen Konflikt gibt. Wenn wir nun das Pferd von hinten aufzäumen, uns also in eine positive Grundstimmung versetzen mit Hilfe von Bildern, Dingen, Musik, Gerüchen, dann sind wir in der Verfassung, ein Ziel nachhaltig zu verfolgen. Die Brücke vom Bewussten zum Unbewussten funktioniert über Bilder.

An jedem Wort hängt ein Bild und an jedem Bild hängt ein Gefühl.

Wilma Bucci, Psychoanalytikerin

Worte, mit denen wir unsere Ziele bauen, müssen starke und eindeutige Bilder produzieren, damit wir uns in unserem Körper stark und eindeutig gut fühlen. 

Entscheidend für ein freies, glückliches, selbstbestimmtes Leben ist also eine Zielformulierung mit allen unseren Sinnen – auf emotionaler, körperlicher und geistiger Ebene.  Das Zürcher Ressourcen-Modell gibt uns eine für jedermann gut durchführbare Methode an die Hand, unsere ganz persönlichen Ziele mit allen Sinnen zu formulieren. Das Schöne daran ist, dass diese Methode ganz und gar nicht anstrengend ist, vielmehr verspielt und sehr locker daherkommt. Ganz so, wie es der Schweinehund eben mag. Maja Storch und Frank Krause haben diese Methode in den 1990er-Jahren für die Universität Zürich entwickelt.

Der Effekt dieser Arbeit an uns ist, dass die Entschlossenheit steigt, ein Ziel in Angriff zu nehmen. Derart motiviert, fühlen wir uns großartig.

(Wir) sind () voller Energie, fühlen uns stark, fähig und entschlossen und bewegen uns auf ein Ziel zu.

Carver und White 1994; Greenaway et al. 2015; Elliot 2008; Harmon-Jones et al. 2011, in: SMART oder MOTTO?, siehe Bibliographie

Wir fühlen uns also unglaublich gut, machen etwas, das uns Spaß macht und dürfen so sein, wie wir halt einmal sind.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Die Hürde kommt im Alltag. Über Erfolg und Nichterfolg entscheidet, wie oft wir unsere erarbeiteten Bilder und bildhaften Beschreibungen im Alltag aktivieren, uns daran immer wieder erinnern.

Und wenn wir diese starken Bilder und Worte auch noch verkörpern mittels Embodiment, uns zum Beispiel ab und zu wiegend bewegen wie auf einem Bötchen auf dem Meer, ja, spätestens dann ist der Schweinehund mit an Bord und segelt mit uns in Richtung freies Leben. Dann ist es so wie mit allem im Leben: das, worum wir uns kümmern, das wächst und gedeiht.

Mögen also unsere Ziele so formuliert sein, und wir diese in unserem Leben verankern, sodass wir mit Schaumkrönchen-Wind Kurs auf das Leben nehmen, das wir uns erträumen,

das wünscht uns allen

Mag. Waltraud Leobacher

Kommunikationswissenschafterin & Bewegungscoach

verantwortlich für Bild und Text, 07.05.2019


BIBLIOGRAPHIE

  • Storch, Dr., Maja;  Hüther, Prof.Dr.rer.nat.Dr.med.habil., Gerald; Cantieni, Benita; Tschacher, Prof.Dr.phil., Wolfgang: Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Bern: Verlag Hans Huber, 3. Nachdruck 2015 der 2., erweiterten Auflage 2010.
  • Mühlberger, Mag. Dr., Christina; Büche, MSc. S, Angela; Jonas, Prof.Dr., Eva: SMART oder MOTTO? Von der Hemmung in die Handlungsfähigkeit durch passende Zielformulierung. Organisationsberat. Superv. Coach (2018) 25:147–160, online publiziert 04.05.2018, https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11613-018-0546-4

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